Rachel Kolly d'Alba

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- 16 OCT. 2013, published in « Ruhrnachrichten» by Ulrich Coppel
Eine Geigerin für alle Fälle
Die Violinistin Rachel Kolly d ́Alba spielte ein abwechslungsreiches Konzert in der Oranienburg
NORDKIRCHEN. Diese Frau ist ein Naturphänomen. Regel- mäßig verleitet die Schweizer Violinistin Rachel Kolly d ́Al- ba Publikum und Presse glei- chermaßen zu Beifallsstür- men. Am Sonntagabend gas- tierte sie mit ihrem kongenia- len Klavierpartner Christian Chamorel im Rahmen des Münsterlandfestivals in der Oranienburg des Schlosses Nordkirchen.
Ein Anliegen des Festivals ist es die kulturelle Vielfalt unserer Region mit ihren vie- len Schätzen zu präsentieren. Vermutlich ohne dass es in diesem Punkt von den Veran- staltern beabsichtigt gewesen ist, war dem interessierten Konzertgänger ein Juwel der ganz besonderen Art vergönnt. Mit dem nahezu iden- tischen Konzertprogramm räumten die beiden bereits vor fast exakt elf Monaten in der Steinfurter Konzertgale- rie „Il Bagno“ restlos ab.Konzert Nordkirchen[1]

Suche nach Ansatzpunkt
Die große Frage nun: Wie klingt d ́Albas Stradivari in dem architektonisch augen- scheinlich ähnlich, im direk- ten Vergleich vielleicht etwas kleiner konstruierten Kon- zertsaal der Oranienburg, in welchen sie zudem von Cha- morel auf dem kleineren Steinway-Flügel Modell C be- gleitet werden würde? Viele
Das Naturphänomen mit ihrem Klavierpartner: Violinistin Ra-
von Alexander Courage ar- rangierten Medley ließ d ́Al- ba ihre Stradivari spätestens in „Summertime“ im Timbre einer Janis Joplin aufjaulen. Phasenweise klang das Ganze nach einer Bluessession mit heftigsten Improvisationen.
Atemberaubend
Nach der Pause ging es zu- rück nach Europa. Doch Halt: In der „Sonate pour violin et piano“ des Gershwin Zeitge- nossen Maurice Ravel findet sich ein Bluessatz, der ganz gewiss auch nicht die Un- schuld vom Lande ist. D ́Al- bas Version des letzten Satzes „Perpetuum mobile“ ließ den berühmten Rimsky-Korsakov- Hummelflug beinahe schon wie einen vergessenen Trau- erkloß wirken.
Das atemberaubende Arran- gement des in die Staaten emigrierten Franz Waxman über George Bizets berühmte „Carmen Fantasie“ war der Violinistin wie auf den Leib geschrieben. Fazit: Kolly d ́Alba ist die perfekte Geige- rin für alle Fälle. Die ver- gleichsweise exquisitere, deutlich barocktypisch-volu- minöser wirkende Bagno- Konzertgalerie ließ die Musik des Duos jedoch völlig anders wirken, als die vergleichswei- se schlichtere, jedoch viel fei-ner ausgewogene Akustik der Oranienburg.
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