Rachel Kolly d'Alba

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- 25. Nov. 2011, published in « Codex Flores » text: WM

«More sensitive and alive than Mrs. Fisher version! »

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Rachel Kolly d Alba, «french impressions»


Die Instrumentalmusik der französischen Spatromantik hat offenbar nichts an sinnlicher Attraktivität verloren. Auf dem deutschen Markt lässt sich damit punkten. Der Oboist Albrecht Mayer hat es mit dem Album «Bonjour Paris», die Geigerin Janine Jansen mit «Beau Soir» getan (siehe Codex-flores-Rezensionen), ihre Kollegin Julia Fischer hat auf einem Album mit dem französischen Titel «Poème» (siehe Codex-flores-Rezension) Ernest Chaussons gleichnamigem Konzertstück op. 25 Reverenz erwiesen.

Dasselbe tut die Welschschweizer Geigerin Rachel Kolly d’Alba. Auf ihrer CD mit «French Impressions» (wieso englisch?) kombiniert sie das Konzertstück mit Camille Saint-Saëns’ drittem Violinkonzert op. 61, zwei Werken von Eugène Ysaÿe (einem ihrer Lieblingskomponisten, von dem sie früher bereits die sechs Solosonaten auf CD eingespielt hat) sowie Ravels «Tzigane».

Sie amtet dabei als ihre eigene Produzentin und brennt Aufnahmesitzungen rund um Konzerte mit dem Orchestre National des Pays de la Loire unter der Leitung John Axelrods und dem Sinfonie Orchester Biel unter Jean-Jacques Kantorow ins Polycarbonat. Mit John Axelrod realisiert sie dem Vernehmen nach auch ihre nächste CD mit Werken amerikanischer Tonschöpfer.

Kolly d’Alba, die bereits mit fünfzehn Jahren am Conservatoire de Lausanne ein Lehrdiplom erworben hat, gehört zu der jungen, offenen Generation von Musikerinnen und Musikern, die ihr Klanggefühl und Strukturbewusstsein genauso an der zeitgenössischen Musik schulen wie am kanonischen Repertoire.

Sie hat denn auch nicht nur als Meisterschülerin von Igor Ozim an der Hochschule für Musik und Theater in Bern ihr Solistinnendiplom abgelegt, sondern auch mit Komponisten wie Tristan Murail, Eric Gaudibert oder Jürg Wyttenbach gearbeitet und sich selber ein solides Handwerk in Sachen Komposition und Analyse erworben.

Interpretations-Vergleiche haben immer etwas Mäklerisches, in Falle Fischers und Kolly d’Albas lohnt sich das Querhören aber, weil die beiden jungen Geigerinnen in gewisser Weise paradigmatisch für deutsche und französische Musikästhetik stehen.

Die Bayerin präsentiert ein in jeder Hinsicht perfektes Chausson-Poème, mit nicht zuletzt der Leitung des Dirigenten Yakov Kreizberg und des Orchestre Philharmonique de Monte-Carlo geschuldetem Nationalkolorit. Kolly d’Albas Chausson wirkt bei aller fanzösischer Artifizialität aber lebendiger und zügiger (interessant, dass die Zeitdauerangaben ein langsameres Tempo als bei der deutschen Kollegin suggerieren).

Sie spielt technisch nicht weniger souverän als Fischer, aber erdiger, vibrierender und zugleich dunkler und fahler im Klang – was allerdings auch damit zu tun haben kann, das ihre Geige eher zu nah mikrophoniert scheint. Das Orchesterklangbild ist weniger transparent als dasjenige der Fischer-Aufnahme, scheint aber authentischer.

Auch Ravels kühl-diszipliniertes feines «Tzigane»-Seismogramm erfüllt Kolly d’Alba mit Wärme und Leben, ohne die gläserne Distanziertheit des Komponisten zu ignorieren. Da scheint eine selbstbewusste und -bestimmte Künstlerin heranzureifen, die viele angesagte und heute vermutlich mit mehr Aufmerksamkeit versorgte smarte Jungtalente früher oder später hinter sich lassen dürfte. (wb)


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