Rachel Kolly d'Alba

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- 15 MAR. 2010, "Südkurier", H. Weidhase "...dem 47-Minutenopus keine Sekunde Langweiliges..."

DIALOG UBER DIE ZEITEN HINWEG

‚óŹ „TRIALOG Concerts“ mit Werken von Schubert und Penderecki. Mit Christian Chamorel und Marcus Hagemann

Was 2010 in der Allensbacher Gnadenkirche musisch geboten wird, schreibt sich „Wechselspiele“, bietet
den „Trialog“ dreier Instrumente und lädt Schubert und Penderecki zu einem Dialog über Zeit- und
Stilzäune hinweg ein. Das erste Wechselkonzertieren war packend, mit allen Klangfarben von
melancholischem Grau (Beginn des Trio-Andante von Schubert) über blaßbunte Tupfer (Pendereckis
„Miniaturen“) bis zu ritterlichem Öl-Kolorit (punktierter Sextakkord-Sturm in der Schubert-Sonate) gemalt,
mit starken Konturen in jeder melodischen Zeichnung ausgeführt, vor allem mit einer Dynamik musiziert,
die bei aller Noblesse des Kammer-Klangs orchestrale Kontraste und sogar theatralische Effekte nicht
scheute. Was haben Schubert und Penderecki sich zu sagen? Nichts – das wäre zu wenig. Lust am
Virtuosen – das ginge schon eher, wenn es auch mehr das Spieltechnische als die Klangsubstanz beträfe.
Suche nach Wegen, Emotionen in Töne zu fassen – diskutabler Ansatz. Was man in Allensbachs
Gnadenkirche hörte, schien diese Wege nachzumusizieren.

Erlebte man nicht, wie der Pole (Jahrgang 1933) in den „Miniaturen“ die Töne vereinsamt, entfremdet, die
Klangpunkte vor aller Linienbindung bewahrt, die Flügelsaiten reißen, die Violinsaiten sich in
Kleinstintervalle verlieren lässt? Überraschte nicht das Cello-Solo mit melodisch verbundenen Tönen, mit
Tanzgestik, Terzen, Sexten, Sequenzen – kurz mit Gefühlsmusik? Führte nicht die Violin-„Cadenza“ ins
Bravouröse, vom großen melodischen Bogenzug über die G-Saite am Beginn bis zu barocken Kurz-Kurz-
Lang-Figuren und klangfeinen Halbtonseufzern? Der Konzert-Gag: Man erlebte die drei Werke im
Krebsgang, von der tonalen Postmoderne 1994 über die freiere Postromantik 1984 zum Opus im Stil der
Wiener und Webern-Schule 1953. Programmeröffnung mit Schuberts a-moll-Sonate (1823). Christian
Chamorel ließ Quinte und fallenden Halbton des Themas erklingen, als komme alles aus bleicher
Trostlosigkeit, erschütternd, kaum Licht im Mattdüsteren, auch die Bass-Akkorde dunkel, unheimlich.
Schwer kämpfte sich der Klang ins Hellere, bis das Fortissimo theatralisch donnerte. Chamorel machte
klar: Hier agiert ein dramatischer Pianist. Selten hörte man diese Sonate so, als wollte Schubert eine
Klavier-Oper inszenieren. Ließ die Geigerin Rachel Kolly d’Alba schon in der „Cadenza“ deutlich werden,
dass sie den Aufwand des Klanges nicht verachtet, dafür sparsam mit Vibrato umgeht und auch herb-
starken Bogenaufsatz charakteristisch einzusetzen beliebt, so erwies sich dies in Schuberts Es-Dur-Trio
als bestens geeignet, dem 47-Minutenopus keine Sekunde Langweiliges oder gar Routiniertes zu gönnen
Dazu immer in Idealkonkurrenz mit dem Cellisten und spiritus rector Marcus Hagemann. Wenn er unter
den pochenden Achteln das zweite Thema „singen“ lässt, da schmilzt man nicht hin, sondern hört aktiviert
zu. Wie er die Doppelgriffe (Scherzo-Trio) Sforzato gab, das Final „leggiermente“ zum Saiten-Spitzentanz
elegant bewegte, alles paßte, begeisterte.




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